0113 Schloß Freudenstein

Ort
Freiberg
Planung / Realisierung
2004
Leistungsphasen
Wettbewerb
Bauherr
Stadt Freiberg
Größe
--
Bausumme
--
Architekt
Muck Petzet Architekten mit Ingrid Amann
Team
Muck Petzet, Ingrid Amann


Das Potential des Ortes liegt nicht in einer ‚sauberen’ Renovierung sondern im sperrigen, mächtigen des Bestands. Um einen besonderen, unverwechselbaren Ort und ein ‚Image’ für die geplanten Nutzungen zu schaffen, müssen diese Stärken herausgearbeitet werden:
Reparatur und Verstärkung des Vorhandenen, so viel wie technisch notwendig, so wenig wie möglich.
Der Schloßhof und die Gebäudeschale: trutzig, mächtig, rauh, steinern, mineralisch. Das Innere: einladend, farbig, hell, offen. Die Substanz wird weitestgehend unberührt erhalten und erzeugt mit ihrer geschichtlichen Aura und handwerklichen Materialität besondere Raumerlebnisse. Auch beim notwendigen Ausbau von Decken bleibt die vorhandene Substanz weitgehend erhalten und sichtbar. Holzteile werden repariert und nur wenn notwendig ausgetauscht. Alle Decken werden als Holz-Beton-Verbunddecken statisch und brandtechnisch verstärkt. Die Untersichten bleiben unverändert. Die Rauminszenierung erfolgt nicht über verdeckende Einbauten sondern über Farben und Licht.
Nach Außen zeigt sich die neue Nutzung des Gebäudes zurückhaltend aber wirkungsvoll. Auf die in Sicht der zentralen Altstadtachse liegende Schloßmauer wird eine ‚Vitrine’ als didaktischer Einstieg und beleuchtbares Signet aufgesetzt. Diese raumgreifende Geste fängt die Besucher von der Stadtseite und dem Parkplatz her ein und führt sie in den neugestalteten Schloßhof mit seinem Belag aus Bruchsteinen mit mineralischen ‚Ausblühungen’. Von diesem als Bühne bespielbaren ‚Mineralienhof’ sind die neuen Nutzungen erkennbar. Das Restaurant und der Haupteingang öffnen sich und locken in das helle, lebendige Innere.

Klare Struktur / Räumliche Zuordnung
Im Eingangsgeschoß sind alle Nutzungen als eigene ‚Häuser’ wahrnehm- und betretbar. Die gemeinsame Eingangshalle im Kirchenflügel wird nach oben zweigeschoßig geöffnet.
Die verbleibende Galerie bindet den 3-geschoßigen Vortragssaal an Foyer und beide Hauptnutzungsbereiche an: Bergbauarchiv und Mineralogische Sammlung erhalten zwei neue Treppenhäuser die alle technisch notwendigen Neuerungen zur Anlieferung und behindertengerechten Vertikalerschließung enthalten. Die historischen Treppenhäuser werden instandgesetzt und in ihrer Bedeutung verstärkt.
In den Obergeschoßen sind die Nutzungen horizontal geschichtet: Ein Ausstellungsrundgang im neuen 1.OG verbindet flexibel nutzbare, 2-geschoßige Säle mit intimen Kabinetten / Schatzkammern und bietet unterschiedlichste Raum- und Ausstellungserlebnisse. Im Rundgang durch die Ausstellung wird der Kontext des Schlosses und seiner Lage in der Stadt-Landschaft erfahrbar.


Die Nutzräume des Bergbauarchivs sind ab dem 2.OG pragmatisch und den Nutzungsabläufen gemäß in die vorhandene Struktur eingepaßt. Die Anordnung der Räume entspricht dem Weg des Archivguts. Annahme / Werkstätten und Verwaltung / Forschung sind unmittelbar nebeneinander auf einem Geschoß angeordnet. Die Aufstellung der Kompaktregale zwischen den Stützen reduziert die Lagerdichte und gleichzeitig die Deckenlasten so weit, daß die vorhandene Tragstruktur belassen werden kann. Innerhalb der historischen Substanz entstehen moderne Arbeitsplätze.

Sonderräume, Nutzung, Geschichte und Erlebnis
Im Dachstuhl des großen Turms entsteht ein mehrstöckiger Lesebereich mit Blick über die Stadt. Der historische Gewölbekeller wird als Vorhaltefläche Sonderausstellung zugänglich. Der 3-geschoßige zum Foyer halbversetzte Vortragssaal bietet ein räumliches Erlebnis, daß die wertvolle – teildemontierte und abgespannte Tragstruktur überhöht und von ungewöhnlicher Perspektive erlebbar macht. Im darunterliegenden ‚Ausstellungsbereich’ Bergarchiv ist die bestehende Substanz mit den ‚Faßstützen’ unverändert erhalten.

Technische Notwendigkeiten
Mit dem Einbau der vorgeschlagenen Holz-Beton Verbunddecken (z.B. System imco) wird auch die Möglichkeit eröffnet ein in die Bauteile integriertes, museumstechnisch ideales und bauwerkserhaltendes Klimakonzept zu verwirklichen:
Bauteiltemperierungen und klimatisch aktivierte Bauteile sorgen nicht nur für ein gleichmäßiges, stabiles Raumklima mit geringen Verwirbelungen. Durch den Einbau von Temperieranlagen in den erdberührten Außenbauteilen werden diese geschützt, das Eindringen von Feuchtigkeit und Schädigungen reduziert. Die Frischluft-Zuführung über Erdwärmetauscher sorgt für natürlich vorkonfektionierte Frischluft ohne hohen technischen und energetischen Einsatz. Die notwendigen Abluftsammelleitungen können in allen Gebäudeteilen im obersten Dachspitz unsichtbar geführt werden. Hier sollen Wärmetauscher zur Wärmerückgewinnung eingesetzt werden. Die Lüftungszentrale ist konsequenterweise ebenfalls im Dachstuhl während die sonstige Technik in einem Neubau - neben einem Schwerlast-Kompaktarchiv - unter dem alten Schloßhof untergebracht wird. Durch diese Ausgliederung wird die historische Substanz geschont ohne daß technische Kompromisse eingegangen werden müssen.



Ausstellungsbereich
Grundriss EG
Grundriss 2.OG
Schnitt
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